Das Internet vergisst nie

In den letzten eineinhalb Jahren habe ich mich sehr verändert. Mein Ich von Anfang 2015 würde sich sehr über mich wundern. Glücklicherweise ist der Mensch dazu in der Lage sich stetig weiter zu entwickeln und ich muss sagen, ich bin mit meiner Weiterentwicklung sehr zufrieden.

Eher widerwillig habe ich mich vor längerem bei Facebook angemeldet. Es hat mich genervt, die tollen Urlaubsbilder meiner besten Freundin erst nach ihren zig Facebookfreunden zu sehen (nur falls du es nicht wusstest, du warst der Hauptgrund, liebe V). Überhaupt hatte ich immer das Gefühl etwas zu verpassen. Eingebracht habe ich mich dort aber kaum und wenn dann alles höchst inkognito. Sollte bloß keiner ahnen, wer ich bin, was ich mache und überhaupt. Da kann mich dann ja jedeR finden. Und sehen, wofür ich mich interessiere, mit wem ich Kontakt habe, welche Meinung ich wozu habe.

Aber warum hielt ich das für so schlimm? Wer mich kennt oder die Über Mich Seite gelesen hat (und mich nun quasi auch kennt) weiß, dass sich in meinem Leben das Meiste um Kinder dreht. Auch online äußere ich mich hauptsächlich zu Themen rund ums Kind. Das bin ich! Und so bin ich auch in echt. Während ich stets Angst hatte, im Internet z.B. von Eltern, deren Kind ich in der KiTa betreue, entdeckt werden zu können, stört es mich überhaupt nicht am Wochendene auf Veranstaltungen für Familien auf eben diese zu treffen. Paradox! Ich habe doch nichts zu verheimlichen. Weder im realen Leben noch virtuell treibe ich mich heimlich in Ecken rum, wo mich keineR finden darf.

IMG 20150607 151107 e1475276590551 942x1024 - Das Internet vergisst nie ( Veränderug, Stoffwindeln, Soziales Netzwerk, Internet, Geburtshaus, Facebook, Community, Blog )
Mit M2 auf einem Stadtteilstraßenfest – auch hier sind mir natürlich KiTa Eltern begegnet.

Manchmal bin ich politisch, ich habe oft eine klare Meinung, aber nie bin ich dogmatisch. Was ich für mich entschieden habe, ist nicht für andere richtig. Toleranz ist ein hohes Gut und ich bin offen für neue Wege, Ideen und andere Meinungen, solange mein Gegenüber meine Entscheidungen ebenso akzeptiert.

Ich möchte hier mit dir teilen, was mich prägt, wer oder was mich zum Nachdenken und Handeln anregt. Vielleicht löse ich mit meinen Texten ja auch etwas bei dir aus oder noch besser – wir bereichern uns im gegenseitigen Austausch. Das ist es nämlich, was ich am Internet und der Community dort schätzen gelernt habe. Denn wenn ich selbst vor nicht allzu langer Zeit noch stets von dem asozialen Netzwerk sprach, habe ich mittlerweile gelernt, dass es auch hier, wie im realen Leben, die andere Seite gibt. So habe ich zu wahnsinnig inspirierenden Frauen deutschlandweit Kontakt, die mir sonst wohl nie begegnet wären.

Als Beispiel: Schon bei M1 hatte ich kurzzeitig an Geburtshaus und Stoffwindeln und diesen Ökokram gedacht. Diese wahnwitzigen Ideen habe ich aber schnell wieder verworfen. Das war mir alles viel zu fremd. Den Weg ins Geburtshaus habe ich dann selbst gefunden. (Naja, im Grunde genommen hat mich die Klinik ja indirekt dazu aufgefordert, nie wieder da hin zu gehen, aber das ist ein anderes Thema.) Stoffwindeln waren mir jedoch weiterhin, also auch bei M2, fremd. Und heute? Ich bin seit einer Woche höchst offizielle „Stoffwindelberaterin der Stoffwindelexperten“. So schnell kann es gehen. Doch wie kam es dazu? Ich habe im Internet immer mehr Mütter kennen gelernt, die sich nicht nur für sichere Geburten einsetzen, sondern von denen auch viele ihre Kinder selbstverständlich tragen (was ich zwar bei M1 als Exotin damals bereits getan habe, aber längst nicht so exzessiv, wie nun bei M3). Attachment Parenting und „unerzogen“ Blogs füllten meine Timeline und auch Stoffwickeln und sogar Windelfrei begegneten mir mehr und mehr. Schwups war ich drin im Thema.

Und was soll ich sagen? Es gefällt mir. Ich habe das Gefühl, durch die Inspiration in meinem sozialen Netzwerk aus Elternbloggern und Facebookfreunden noch mehr zu mir selbst gefunden zu haben und zu dem, was ich als Mutter und Mensch sein möchte. Der Schritt raus aus der Anonymität auf Facebook war für mich die erste logische Konsequenz. Ich habe das Gefühl online an so vielem teilzuhaben, dass es unfair wäre, mich weiter hinter einer falschen Identität zu verstecken.

Der nächste Schritt, das Schreiben eines eigenen Blogs, war auch die Idee von Hendrik. Immer wieder kam in mir das Gefühl hoch, ich habe etwas mitzuteilen. Hendrik sagte ständig nach meinen ellenlangen Monologen „Das musst du aufschreiben und veröffentlichen.“ und in mir stieg auch das Gefühl auf – ja, das muss ich. Und das mache ich nun. Für mich. Und für dich. Und für meine Zukunft. Denn das Internet vergisst nie, sagt man ja. Und darüber freue ich mich mittlerweile. Meine Gedanken werden hier auf ewig festgehalten. Eine schöne Vorstellung, oder?

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