Ich bin immer erst hinterher schlagfertig

Das kennt doch sicherlich jedeR: Man wird auf unangenehme Weise – wahlweise von einem Familienmitglied oder einer Freundin / Bekannten, Arbeitskollegen oder optional auch von wildfremden Menschen auf persönliche Dinge angesprochen. Völlig taktlos und ungehemmt mischen sie sich gerne in unser Privatleben ein, haben gute Tipps parat, wissen alles besser oder stellen die essentiellen Fragen des Lebens.

Besonders, wenn es um meine Kinder oder meinen Umgang mit eben diesen geht, nervt mich das gehörig. Glücklicherweise haben Kommentare im Kreis meiner Familie nachgelassen. War ich beim ersten Kind selbst noch etwas unsicher, bin ich mittlerweile „Überzeugungstäterin“. Ich weiß, was ich tu, warum ich es tu und strahle das auch aus. Mein Leben, meine Kinder! Da mischt sich selten einer ein.

Doch wenn – und dann sind es höchstens mal Fremde – stehe ich doof da. Schockstarre oder so. Kennt ihr das? Es rattert in mir, ich rege mich innerlich auf, „Was fällt der bloß ein, sich einzumischen, so eine Frechheit! Boah, und das so vor meinem Kind, und überhaupt hat sie vollkommen unrecht!“ In mir sprudelt es wie wild, und kaum ist die Situation vorüber und die entsprechende Person um die nächste Ecke verschwunden, liegt mir die passende Antwort auf den Lippen. Mist, schon wieder zu spät. Ich bin leider immer erst hinterher schlagfertig. Und dann ärgere ich mich. Ich hätte doch so toll etwas entgegnen können, aber nein, ich bleibe stumm.

Für viele Kommentare bezüglich des (Langzeit-)Stillens oder überhaupt dem Verwöhnen seines Kindes findet man hier einige – wie ich finde – äußerst lustige Antworten für sein Gegenüber. Aber auch wenn ich dieses Top Ten selbst schon mehrmals gelesen habe, im richtigen Moment würde mir auch wieder nichts davon einfallen.
H ist kürzlich senstionell für mich eingesprungen, als er auf die Frage seiner Verwandtschaft, wie lange ich noch stillen möchte – unsere Tochter war zu dem Zeitpunkt vier Monate alt – stumpf geantwortet hat: „Vier Jahre.“ Damit war das Thema durch.

Es gibt sogar eine Begegnung dieser Art, die mir heute noch, nach wohlgemerkt über vier Jahren (!), nachhängt. Damals fuhr ich mit meinem Sohn vom Kindergarten nach hause und wir beide fuhren Fahrrad. An einer Ampel hielt er, wie er das von mir gelernt hat, auf dem rechten Streifen und wartete auf grün. Ich war knapp daneben, links, auf dem Radfahrerstreifen. Dort war es ziemlich voll, Oldenburg ist schließlich DIE Fahrradstadt des Nordens und es war gerade Stoßzeit. Spazierte eine ältere Frau daher und sagte zu ihm – zu ihm, nicht zu mir! – „Das muss dir deine Mama noch beibringen, dass du nicht hier auf den Fußweg gehörst!“ Meine Halsschlagader pocht schon wieder… Ommmm!

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M1 an seinem 4. Geburtstag. Probefahrt mit dem neuen Fahrrad.

Die von mir geschätzte Bloggerin Nieselpriem schreibt hier über eine Begegnung bei dm. Die Situation war zwar anders, aber auch hier ging es um das Einmischen wildfremder Leute in das eigene Privatleben bzw. den Umgang mit dem eigenen Kind. Nieselpriem war nicht so zurückhaltend wie ich. Aber scheinbar ist es egal, wie man’s macht, der Puls steigt. Am besten wäre natürlich, Fremde würden sich nicht einfach ungefragt einmischen. So bliebe einem dieser unliebsame Ärger – sei es nun, weil man in der Situation nicht besonnen reagiert oder man kein Wort rausbekommt – erspart. Oder gibt es da etwa einen Mittelweg? Gelassen und freundlich auf den fremden Eindringling reagieren – kann das jemand von euch? Wenn ja, gebt mir gerne Tipps. Bis dahin werde ich wohl weiter schweigen, nachdenken und später ganz klug und gewitzt kontern – ha!

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