Ohne meinen Hund

Ronja 5 - Ohne meinen Hund ( Trauer, Hund )

Ronja kam zu uns nachdem meine Eltern sich getrennt hatten. Zu einem Zeitpunkt als ich sehr verletzlich und einsam war. Mein Hund war immer für mich da. Sie hat mir über viele schwere Stunden hinweg geholfen, meinen Kummer und die Tränen ertragen und ließ mich ganz nah an sie gekuschelt an ihrem flauschigen Fell Trost finden. Tiere geben einem ein besonderes Gefühl der Sicherheit, genau das habe ich damals gebraucht. Kein Tier wird jemals deine Geheimnisse verraten. Sie sind einfach da. Einmal, als ich noch relativ jung war, fiel ich auf der Treppe hin und weinte. Ronja kam sofort angeeilt und leckte tröstend mein Gesicht.

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Ronjas letzter Spaziergang vor 6 Jahren

Bis wir sie auf den Tag genau vor sechs Jahren haben gehen lassen, hatte Ronja mich über die Hälfte meines Lebens begleitet. Auch darum wird sie unvergessen bleiben. Ein Leben ohne sie schien mir schwer vorstellbar, doch sie war alt und krank geworden. Unser Entschluss, sie einschläfern zu lassen, war daher klar.

Mit uns meine ich meine Schwester und mich. Ronja lebte sowohl bei ihr als auch bei mir. Damals kam Ronja als Familienhund aus dem Tierheim zu uns. Meine Schwester und ich gingen mit ihr zur Hundeschule. Schnell beherrschte Ronja neben den üblichen Kommandos auch ein paar Tricks. Sie war zudem unfassbar gehorsam. Wir wohnten auf dem Dorf und ich konnte sie überall problemlos ohne Leine mit hinnehmen. Wenn ich sie gerufen habe, kam sie. Auf Ronja war Verlass. Immer wenn ich mit dem Fahrrad schnell beim nahegelegenen Supermarkt einkaufen wollte, stellte ich mein Rad (ohne Schloss) ab und rief Ronja im Weitergehen zu: „Mach Platz. Bleib.“ Und wenn ich wiederkam, wartete meiner treuer Fahrradwachhund auf mich.

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Ronja war ein sehr ruhiger Hund. Sie bellte äußerst selten – nur in ganz besonders spannenden Situationen, oder auf Kommando (‚Pass auf‘). Sie war kein Hund, der laut zur Tür rannte, wenn es klingelte oder man nach hause kam. Sie trottete mir meist eher gemütlich, wenn auch freudig entgegen. Aber dieses eine Mal, dass vergesse ich nie: Wir holten meine Schwester nach ihrem einjährigen Auslandsaufenthalt vom Flughafen ab. Als wir mit dem Auto ankamen, hörten wir Ronja schon. Sie sprang an den zur Straße ausgerichteten Fenstern hoch und war völlig aus dem Häuschen. Denke ich daran zurück, bekomme ich direkt eine Gänsehaut. Tiere haben so ein feines Gespür. Sie muss gemerkt haben, dass ihr Frauchen wiederkommt.

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Man konnte mit ihr aber durchaus auch spielen und Spaß haben. Ich war ständig mit Ronja baden. Ich erinnere mich, wie sie mich mit meinen Inlinern und meinen kleinen Bruder auf dem Schlitten gezogen hat. Sie hat mich beim Zeitung austragen begleitet, beim Reiten und so ziemlich in jeder Lebenslage. Ronja war dabei, wie ich vom Kind zur Frau wurde. Als mein kleiner Bruder geboren wurde, war sie da. Als mein erstes Kind geboren wurde, war sie da. Nie eifersüchtig, ganz im Gegenteil. Sie hat M1 herzlich empfangen, jeden seiner Schritte beobachtet und war bei ihm, wenn er fiel.

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Zweimal wurde Ronja sogar zur Katzenmama. Meine Mama bekam von uns, ihren Kindern, eines Muttertags ein Katzenbaby geschenkt. Ronja kümmerte sich herzerwärmend um den kleinen Kater, dessen Mutter gestorben war. Sie leckte seinen Bauch und ließ ihn in ihrem kuscheligen Fell Halt finden. Als später bei mir unser mittlerweile auch tragisch ums Leben gekommener Kater Mambo wohnte, bemutterte sie ihn auch herzlichst.

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Ronja wälzte sich gerne im Schnee, spielte mit jüngeren Hunden durchaus auch mal etwas wilder. Wenn man sie kräftig kraulte, fing sie mit den Hinterbeinen an zu zucken und machte Geräusche des Wohlgefallens. Wer Ronja kennenlernte, liebte sie. Ohne meinen Hund wäre ich nicht so viel draußen gewesen, hätte ich weniger erlebt. Im Dunkeln fühlte ich mich sicher mit ihr. Ich bin überzeugt, im Zweifel hätte sie mich beschützt! Sie gehörte zur Familie, Weihnachten gab es selbstverständlich auch Geschenke für sie.

Sie hat so viel mit mir erlebt und ich merkte, wie sie älter und krank wurde. Ein Schlaganfall – einer der schrecklichsten Momente meines Lebens, meinen Hund so zu erleben – machte das Ganze natürlich nicht besser. Es kamen viele schwierige und traurige Momente dazu. Aber darüber möchte ich hier nicht schreiben. Überhaupt könnte ich noch so viel mehr schreiben aus den über zehn Jahren mit ihr. So viele Anekdoten fallen mir noch ein.

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Ein Foto von früher in unserer Familiengallerie

Ich bin dankbar für die Zeit, in der sie mich begleitet hat. Ronja, nie werde ich dich vergessen. Nichts wird dich je ersetzen. Du bist immer bei mir.

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6 Kommentare

  1. Beim Lesen habe ich Tränen in den Augen. Es ist unfassbar, dass Ronja schon seit sechs Jahren nicht mehr bei uns ist. :( Ich denke noch sehr oft an sie, rede über sie und sie lebt manchmal weiter in meinen Träumen.
    Meine Tränen sind Tränen der Trauer. Es war so unfassbar schwer, sie leiden zu sehen weil Körper und Geist ihr den Dienst zunehmend quittierten. Das hatte sie nicht verdient! Grausam, diese endgültige Entscheidung über sie, für sie treffen zu müssen.
    Aber es sind auch Tränen des Glücks und der Dankbarkeit! Sie bei uns gehabt zu haben ist das beste was uns passieren konnte. Mir fallen spontan so wahnsinnig viele schöne Momente und Geschichten ein, die ich ohne meinen Hund nicht erlebt hätte. Ronja war immer und überall dabei, jeder mochte sie. Ich habe sie geliebt und bedingungslose Liebe zurück bekommen. Ich habe durch sie Freunde gefunden, Menschen kennengelernt die ich sonst nicht einmal angeschaut hätte. Sie hat mich getröstet, mit mir gekuschelt, mir gezeigt dass sie mich mag, sie hat mich glücklich und stolz gemacht! Ronja ist das beste was uns passieren konnte! Ich hoffe, wir konnten ihr ein wenig davon zurück geben. Auch ich werde sie niemals vergessen.

  2. ich habe meinen Westi mit knapp 12 Jahren verloren.Nach der trennung haben meine Exfreundin und ich uns Nelly „geteilt“ soll heißen ich hab sie alle 3-4 Wochen geholt.Hin und Rückfahrt ca 220km.Das war mir mein Hund wert.Bin immer noch ziemlich fertig und versuche so gut wie möglich da durchzukommen.Alles sehr traurig.Haben manche Menschen kein Verständnis für,interessiert mich aber nicht.Wie lange ich trauere bestimme immer noch ich.An alle hier die ihren Hund oder Katze ,oder wie auch immer,verloren haben:Irgendwie schaffen wir das,aber vergessen werden wir sie nie.

  3. Ein wirklich schöner Bericht. Ich,nun auch schon in die Jahre gekommen und in Rente, wollte mir eigentlich,als ich aufhörte zu arbeiten, einen Hund aus dem Tierheim holen und ihm ein Zuhause geben.Aber wie das Leben so spielt,es kommt immer anders. Bei einem Urlaubsbesuch, bei den Eltern meines Schwagers in Kroatien, kam ein 2 er Wurf , ein rüde und ein weibchen, auf den Bauernhof.Dem Weibchen wurde keine grosse Chance aufs Überleben gegeben.Ich habe auch erst nicht reagiert und die Aufforderung,nehme Sie doch mit,abgelehnt. Nun,jeden Tag kam diese kleine Pinscherdame unaufgefordert zu mir und schlüpfte immer in meine abgestellten Schuhe,zwischen meinen Beinen. Wenn ich sie in ihren Korb setzen wollte,krallte sie sich bei mir fest. Ich hatte eine Weste an,die halboffen bei dem warmen Wetter war. Sie schaffte es in die Weste rein bis zu meinem rechten Ärmel,wo Sie dann ein Nickerchen hielt(Der Opa hat nichts dagegen ;-)) Aber das ging den Rest meines Urlaubs so.
    Der Abreisetag rückte nun immer näher und was soll ich sagen, Tierarzt ,Untersuchung,Behandlung,Papiere und Formalitäten zur Ausreise.Meine Bella sollte überleben und solange es geht bei mir bleiben. Da ich alleine lebte hat Sie genug Platz,da das Haus auch einen Garten hat. Nur die Norddeutsche Kälte im Winter ist ihr ein Dorn im Auge. Die Tierarztbesuche hier bei mir Zuhause waren auch erfolgreich,wenn auch teuer-aber das ist egal!
    Meine kleine will ich nicht mehr hergeben.Sie macht zwar viel Blödsinn,aber egal hauptsache Sie ist glücklich. Die eigentlichen Probleme sind natürlich Einladungen,wie zum Beispiel das kommende Weihnachtsfest.Meine Nichte wollte aber,das ich das Tier Zuhause lasse. Nie und nimmer habe ich gesagt. Der Herr hatte an seine Krippe auch die Tiere da und es hat ihn nicht gestört. Ich bin eigentlich nicht traurig,nicht am Weihnachtsfest dort zu sein. Wo ich bin,ist auch mein Hund,ich kann es mir leisten und werde mir diese Aussage auch leisten.
    Und darum verstehe ich auch die Trauer sowie auch das Glück,das Euch widerfahren ist.Bewahrt die stets in Euren Herzen
    Gruß Mario

    1. Danke für deine schönen Worte! Ich wünsche dir und deiner Pinscherdame noch viele schöne gemeinsame Stunden, Tage und vieles mehr!

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