Ruhe in Frieden, liebes Tigermädchen

Ende dieses Sommers hatten meine beiden Mädchen und ich eine Erkältung. Also nichts weiter Schlimmes. Dennoch war es anstrengend: Da mussten wichtige Termine verschoben, der Spagat zwischen dauerstillendem Säugling sowie forderndem Kleinkind bewältigt werden und das alles bei brummendem Kopf. Und doch sagte ich noch am Vormittag zu M2:

Das Gute daran, wenn man ab und zu ein bißchen krank ist, ist, dass es einen daran erinnert, dass man eigentlich gesund ist.

Und so bin ich tatsächlich noch während jeder Erkältung oder Magen-Darm-Grippe ein klein wenig ehrfürchtig und vor allem dankbar.

Am selben Nachmittag klopfte eine Nachbarin an der Tür. In der einen Hand hielt sie ihre kleine Tochter, in der anderen eine Trauerkarte. Ob ich schon gehört hätte, dass die Tochter des Nachbarn im vordersten Haus auf unserem Hof gestorben sei, wollte sie wissen. Ich wusste es nicht. Ich wusste jedoch, es würde irgendwann passieren, denn die Kleine war krank. Nicht nur so ein läppischer Schnupfen, sondern befallen von diesem fiesen tödlichen Krebs. Blutkrebs genauergesagt.

Sie war nur selten da, weil sie ihren Papa, der hier wohnt nur manchmal besuchte. Ich weiß noch, wie ich sie das erste Mal sah. Ein hübsches zartes Mädchen mit auffallend kurzem und dünnem Haar. Schnell stellte sich heraus, dass sie unheilbar krank war. Ihr Erscheinungsbild war gezeichnet von den Strapazen ihrer Krankheit. Sie wirkte viel jünger, als sie war. Doch meinen und den anderen Nachbarskindern fiel das nicht auf. Wenn die Kleine da war, fuhr sie wie die anderen mit ihrem schwarz-gelb-gestreiften Fahrrad ihre Runden über den Hof.

Tigerrad - Ruhe in Frieden, liebes Tigermädchen ( Trauer, Tod )

Wir kannten sie kaum. Trotzdem klingelte sie letztes Jahr an unserer Tür, um zu fragen, ob meine beiden rauskommen. Wir konnten gerade nicht und es brach mir das Herz, zu sehen, dass sie dann alleine umher fuhr. Den Vater habe ich selten mit ihr gesehen. Ich habe mich darüber manchmal geärgert. So ein junges tolles Kind, das er ganz alleine rauslässt. Doch dann fragte ich mich, was ihn wohl gehemmt hat, wie schwer es sein muss, sein todkrankes Kind nach draußen zu begleiten und ich hörte auf, darüber nachzudenken.

Dann sollte sie eingeschult werden. ‚Warum soll sie zur Schule gehen? Lasst dem Kind doch seine Kindheit‘, schoss mir als Erstes durch den Kopf, doch sie wirkte stolz und ich hoffte, sie hat Spaß am Lernen und mit den Klassenkameraden.

In letzter Zeit wurde sie etwas pummeliger. Sie wirkte dadurch gesünder, doch der Schein trügt ja so oft.

Nun ist sie von uns gegangen, muss keine leidvollen Prozeduren mehr über sich ergehen lassen. Ich hoffe, sie wurde erlöst und dass ihr Vater, die Mutter, die ich nicht kenne und ihr großer Bruder den schmerzhaften Verlust verarbeiten können. Mein Herz blutet, wenn ein so unschuldiges junges Leben erlischt. Ruhe in Frieden, liebes Tigermädchen! Wir denken an dich.

Schon bevor ich das Tigermädchen kennenlernte, habe ich mich bei der DKMS registrieren lassen. Ich weiß nicht, ob unser liebes Nachbarmädchen hätte gerettet werden können. Aber ich weiß, dass schon viele Menschen durch Spenden ein zweites Leben geschenkt bekommen haben. Also bitte, macht mit. Lasst euch registrieren. Es ist ganz einfach! Mehr Informationen unter www.dkms.de .

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