Meine arschcoole Superschwester

Als ich den Aufruf von Stadt, Land, Mama zur Blogparade #ArschcooleSuperfrauen gesehen habe, dachte ich direkt an sie: Meine Schwester.

Optisch ähneln wir uns kaum. Sie hat – ganz anders als ich – dunkelbraune Haare und braune Augen, ist einfach ein ganz anderer Typ als ich. Und auch sonst fanden wir nie einen gemeinsamen Nenner.

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Viele Jahre hatten wir kein gutes Verhältnis zueinander. Wir gingen uns lieber aus dem Weg oder viel mehr ich ihr. Es gab viel Streit als ich in meiner Pubertät sehr leicht verletzlich war und meine Schwester es bestens verstand, meine wunden Punkte zu finden und zu treffen. Dann, nachdem sie ein Austauschjahr in den USA verbracht hatte, ging es einige Zeit gut. Irgendwie hatten wir einander dann doch vermisst. So richtig eng war unser Verhältnis dennoch nicht. Wir kümmerten uns zwar als Erwachsene beide gleichermaßen liebevoll um unseren ehemaligen Familienhund, aber darüber hinaus hatten wir keinen Kontakt.

Das änderte sich später. Bei regelmäßigen Geschwister Spieleabenden (auch mit unserem Bruder) hatten wir jede Menge Spaß. Und als meine Schwester mich an meinem 29. Geburtstag anrief, um mir mitzuteilen, dass sie schwanger ist, schienen plötzlich alle Differenzen verschwunden. Ich weinte vor Freude, war ich doch auch gerade mit meinem dritten Kind, M3, schwanger. Bereits während der Schwangerschaft spürte ich, wie unser Band enger und enger wurde.

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M3 und L, nur drei Monate auseinander

Mir meine Schwester als Mutter vorzustellen, fiel mir noch etwas schwer. Sie war schon immer eine tolle Tante, doch bereits als Teenager hatten wir uns scherzhaft darauf geeinigt, dass ich ihre Kinder nehmen müsste, bis diese älter sind, da sie mit Babys und Kleinkindern nicht allzu viel anfangen kann.

Ihr kennt das sicher. Es gibt diesen Typ Frau „geborene Mutter“. Zu dieser Art würde ich mich einfach mal zählen. Das heißt nicht, das ich besser oder schlechter als andere Mütter bin, es war nur einfach schon immer klar, dass ich Mutter werde und darin meine Erfüllung sehe. Kinder, ob nun meine oder fremde, sind mein Leben. Und dann gibt es eben Frauen, die werden nie Mütter, weil das für sie richtig ist. Und solche, die bekommen Kinder, entweder, weil das eben so dazu gehört zum Leben oder weil es plötzlich gerade genau ins Leben passt oder warum auch immer. Meine Schwester ist so dieser Typ.

Ganz anders als ich, ist sie einen recht klassischen Weg gegangen: Berufsausbildung und Studium, Job, jahrelange Beziehung, Heirat und Hauskauf dann, als ihr Sohn unterwegs war. Mit der Geburt begann für sie – wie für die meisten Mütter – ein vollkommen anderes Leben. Und genau ab dem Tag fing ich an, meine Schwester zu bewundern.

Die Art, wie sie mit meinem Neffen umgeht, ihn liebt und umsorgt, hätte ich so nie von ihr erwartet. Es ist so schön, zu sehen, was so ein kleiner Mensch mit einem großen Menschen machen kann. Ich habe das Gefühl, dass sie trotz des schwierigen gemeinsamen Starts mit ihrem Sohn (oder gerade deswegen) so viel gibt.

Sie schafft es trotz der zahlreichen Einwirkungen anderer, standzuhalten und ihren Weg und vor allem den, den ihr Kind ihr zeigt, zu gehen. Ich merke zwar, dass sie manches verunsichert und sie sucht häufig nach Antworten bei Freunden, Verwandten oder im Internet. Sie meinte noch recht zu Anfang ihres Mamaseins, kein ausreichendes Bauchgefühl zu haben. Aber tief in ihr, da schlummert etwas. Sie trifft bisher eine Entscheidung nach der anderen, welche genau den Bedürfnissen ihres Kindes entspricht.

Erst vor Kurzem musste sie notoperiert werden. Als wären die anstrengenden und schlaflosen Monate zuvor nicht genug gewesen, war sie plötzlich getrennt von ihrem vollgestillten Baby. Sie litt sehr und ich mit ihr. Vollkommen geschwächt pumpte sie noch im Krankenhaus ab, um den Kleinen anschließend wieder stillen zu können. Ist das nicht irre? Woher nahm sie nur ihre Kraft dafür – sowohl körperlich als auch psychisch?

Ich bewundere ihre Stärke. Die Geburt und die bisherigen Monate waren von reichlich Anstrengung geprägt, doch sie schafft das alles. Sie ist da. Da für ihr Kind.

Ich wünsche mir, sie ist auch bald wieder mehr da für sich. Denn sie ist und das habe ich in den letzten Monaten erst richtig erkannt, nicht nur eine wundervolle Mutter, sondern auch ein ganz besonders wertvoller Mensch in meinem Leben, dem ich aus tiefstem Herzen ein erfülltes glückliches Leben wünsche. Verdient hat sie es allemal, diese arschcoole Superfrau, meine große Schwester.

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Blogparade von Stadt Land Mama

Meine Schwester ist meine persönliche #arschcooleSuperfrau, aber ich weiß, da gibt es noch viele andere! Wer ist eure Superfrau? Verratet es mir gerne hier auf dem Blog oder bei Facebook.

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