Von Fruchtzwergen und Zitronenduft

Ein mittlerweile gar nicht mehr ganz so kleiner Körper rollt sich genüsslich über meinen Oberkörper, der kahle Dickschädel bleibt auf meinem Hals, direkt auf dem Kehlkopf liegen und entspannt sich. Scheint eine gemütliche Position zu sein, denn der Kleine schläft noch einmal ein. Mir wird derweil sehr komisch und ich stehe vor einer schwierigen Entscheidung. Es ist 4:50 Uhr und ich muss abwägen, was mir lieber ist: zu ersticken oder das Kind zu bewegen und zu riskieren, dass es wach wird und wir aufstehen müssen.

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Natürlich entscheide ich mich fürs Liegenbleiben. Angespannt versuche ich, dieses beklemmende Gefühl einfach weg zu meditieren. Da dies seltsamerweise nicht gelingen will und mein Überlebensdrang dann doch größer zu sein scheint, als der Wunsch, wenigstens noch eine Stunde liegen bleiben zu können begehe ich das große Wagnis und schiebe den Kleinkindkopf vorsichtig etwas zur Seite. Puh. Geschafft! Aber Mist. Nun liegt er total doof auf meinen Stillbrüsten. Die Situation hat sich also verschlimmbessert.

Nun höre ich auch schon den Großen auf dem Flur herum tapsen und meckern. Es ist doch erst fucking 5:20 Uhr! Gut, da mein Mann ja nun auch auf ist beschließe ich, den Kleinen von meiner Brust herunter zu rollen, denn wenn er aufwacht, kann sich der Papa ja kümmern. Der ist schließlich schon auf den Beinen. Ich hingegen liege ja noch im Bett! Tja, natürlich wird der Kleine nun wach und patscht mir fröhlich ins Gesicht und klaut meine Nase. Er isst sie auch anschließend auf, lacht sich schlapp und krabbelt zum Rand des Bettes, über den er sich jeden Morgen waghalsig hinüber beugt und es somit schafft, dass ich im Bruchteil einer Sekunde aufrecht im Bett sitze.

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Als mein Mann uns hört, kommt er ins Schlafzimmer um mir den Kleinen abzunehmen. Dieser aber krabbelt panisch zu mir zurück und kuschelt sich an mich. Boa nee, der schon wieder, denkt er sich anscheinend, lass mich bloß in Ruhe! Was will der Papa immer von mir? Es gibt ein bisschen Trara, aber schließlich hat mein Mann den Kleinen im Arm und geht hinaus. Ich lege mich komplett ausgestreckt bäuchlings ins Bett und freue mich, nun noch eine Stunde schlafen zu können. Gerade verliere ich mich im Traum, als die Tür aufspringt, die kleinen Füße übers Parkett tapsen und der dazugehörige Mund ruft: „ICH WILL ABER EIN EIS ESSEN JETZT!!!“.

Halleluja. Guten Morgen auch. Und danke für die Minute Ruhe, die ich genießen durfte. Nun ist es 5:26 Uhr und die Freude darüber, meinen Großen zu sehen ist unbeschreiblich. Ich murmle sowas wie „Ja, dann nimm dir doch ein Fruchtzwergeeis… Papa kann dir das aufmachen“. Da dieses Verlangen nach Eis am Morgen mich zwei Mal so dermaßen genervt hat, habe ich kurzerhand diese kleinen Joghurts eingefroren, denn ob er so einen nun als Joghurt isst oder als Eis ist mir pupsegal und ihn macht es glücklich. „Papa ist aber unter der Dusche. Ich möchte, dass du das machst. Steh jetzt auf Mama. Bitte, hast du mich verstanden? Ich bekomm die Krise!“. Ich muss lachen. Und stehe auf. Laufe zum Gefrierfach, hole das Eis heraus, entferne das Papier und halte es meinem Sohn hin.

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Jetzt muss ich dringend erstmal aufs Klo, aber es folgt schon der nächste Ausraster meines Sohnes, da ich ja erst noch das Eis erwärmen muss, damit es sich von der Verpackung löst und gegessen werden kann. Kein Problem, nehm ich das Ding halt mit aufs Klo. Ja, wirklich. Ich bin einfach noch nicht ich selbst vor dem Kaffee. Anschließend sitze ich in Unterhose und Top mit meiner Tasse Kaffee am Küchentisch und schaue zu, wie der Große das Eis abknabbert und der Kleine sich den Joghurt ins Gesicht, in die Haare, an Tisch und Stuhl schmiert. Was soll ich machen? Das nennt sich BLW und fördert so einiges. Vor allem aber auch unseren Putzlappen- und Lätzchenverbrauch.

Herr Papa kommt derweil frisch geduscht, rasiert, gut duftend und bestens gelaunt in die Küche, um sich fröhlich von uns zu verabschieden und zur Arbeit zu fahren. Die Kinder winken ihm ebenso fröhlich den Weg während ich den letzten Schluck Kaffee trinke und mich auf die Dusche freue. Das morgendliche Duschen ist mittlerweile sehr entspannt geworden, da die Kinder morgens meist sehr schön und vertieft im Kinderzimmer spielen. Aber heute natürlich nicht. Während der Kleine die zuvor sortierte 60- Grad- Wäsche wieder einzeln aus dem Korb fischt und fröhlich durchs Badezimmer schmeißt, kommt auch der Große hinein: „ich muss Kaaackiiii!“. Na priiimiiii, denke ich und spüle mir schnell noch meine Haare aus. Ich steige aus der Dusche raus, trete auf mehrere benutzte Unterhosen und Lätzchen und beuge mich zu meinem Sohn hinunter, um ihm den Po abzuwischen. Der aufmunternde Zitronengeruch meines Duschgels vermischt sich mit dem Geruch der Kaaackiiii und mir wird schlecht. Es ist jetzt kurz nach sieben und ich kann gar nicht beschreiben, wie unheimlich gespannt ich auf den Rest des Tages bin. Eins steht fest: langweilig wird es bestimmt nicht.

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