Wochenende in Worten

26. und 27. August

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Der Samstag beginnt mit einem Schreckmoment. Hendrik kippt Kaffee über M3. Zum Glück war er kalt!

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Für den Tag ist ein Picknick geplant. Während ich mit einer Freundin ins Kino gehe, treffen sich ihr Mann und Hendrik mit den insgesamt sechs Kindern im Schlossgarten. Ich weiß, dass das (leider) nicht selbstverständlich ist. Daher bin ich besonders froh, dass ich einen Mann an meiner Seite hat, der sich über Zeit mit seinen Kindern freut und diese dann auch noch so schön nutzt. So verlebe ich ruhigen Gewissens meine bisher längste Trennung von M3.

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Im Kino sehe ich die Bremer Premiere von Carola Haucks (links) Dokumentation „Die sichere Geburt – Wozu Hebammen?„. Präsentiert wurde der Film von Mother Hood e.V., der Bundeselterninitiative zum Schutz von Mutter und Kind während Schwangerschaft, Geburt und 1. Lebensjahr. Dort bin ich seit Anbeginn selbst Mitglied und durfte nun Nathalie Wessels (2. von links) kennen lernen, die ein tolles Podium für eine Diskussion im Anschluss zusammengestellt hat. Da ich vorab die Diskussionen um den Film mitbekommen habe, wollte ich mir unbedingt ein eigenes Bild machen und schildere nun meinen ganz persönlichen Eindruck.

Ich nehme es direkt vorweg: ich finde, dass Carola hier einen großartigen Film geschaffen hat, der schonungslos und deutlich klar macht, welche physiologischen Vorgänge unter der Geburt stattfinden und wecher Rahmen hierfür nötig wäre. Mit hochkarätigen Interviewpartnern wie z.B. Ina May Gaskin, Herbert Renz-Polster und Michel Odent (leider fehlte bei uns im Kino eine Reihe des übersetzten Textes, sodass ich hier nicht alles verstehen konnte) äußern sich viele Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen. Zwischendurch kommen Eltern zu Wort, die ihre Geburtserfahrungen schildern. Dramaturgisch ist der Film so aufgebaut, dass sowohl die Erzählungen der Mütter, als auch die Ausführungen der anderen Interviewpartner chronologisch den Geburstverlauf schildern. Dabei stellen Animationen und Comics einerseits den Geburtsverlauf, andererseits den Ablauf in der Klinik dar.

Als Kritikpunkt bekannt ist ein äußerst negativer Blick auf die Krankenhäuser. Mir ist klar, dass jeder immer mit seiner Biografie und dem jeweiligen Blickwinkel diesen Film betrachtet. Daher kann ich mir vorstellen, dass es z.B. manch einer Hebamme, die engagiert in einer Klinik tätig ist, negativ aufstößt, als ein Comic eine Tee schlürfende Frau, die von dem erneuten Piepen aus einem Patientenzimmer genervt scheint, zeigt. Diese Szene ist auch mir negativ in Erinnerung geblieben. Gleichzeitig positiv finde ich die dort versteckte Andeutung auf die Roses Revolution, der ich letztes Jahr einen Blogbeitrag gewidmet habe.

Des Weiteren wird gewarnt, der Film sei nicht für Schwangere und traumatisierte Frauen geeignet. Dem zweiten Punkt stimme ich zu. Wer ein unverarbeitetes Geburtstrauma hat, den können Szenen aus dem Film triggern. Wenngleich der Film, was ich sehr positiv finde, keine reißerischen Realszenen zeigt, sind die Comics doch brutal. Auch ich musste z.B. bei dem dargestellten Dammschnitt die Augen zusammenkneifen und tief durchatmen. Da wird in Wunden gepiekst. Es ist also sicher nicht für jedermann bzw. jede Frau einfach, diese Szenen zu verarbeiten. Hier also auch von mir eine klare Warnung.

Hingegen finde ich, dass Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere diesen Film gucken sollten. Er hilft, zu verstehen, wie Geburt verläuft, warum Interventionen bei diesem natürlichen Prozess in aller Regel unnötig sind und bereitet auf die Realität vor. Schwierig jedoch für werdende Eltern mit dem Wissen aus dem Film in eine Klinikgeburt reinzugehen, wenn der Gang ins Geburtshaus oder die Hausgeburt nicht möglich sind, da der Hebammenmangel diese Möglichkeiten verwehrt. Vielleicht hilft die Dokumentatioin jedoch auch, wachzurütteln und den Drang nach Engagement zu wecken. Wir sind längst nicht laut genug in unserem Wunsch, nein – der Forderung nach selbstbestimmten Geburten.

Dennoch finde ich den Film in seiner Deutlichkeit genau so richtig und wichtig. Wenn man mich fragt, wer ihn sehen sollte, stünden dort an erster Stelle PolitikerInnen, der GKV und alle die, die immer noch auf ihrem hohen Ross reiten und über die Köpfe von Millionen Frauen in Deutschland hinweg entscheiden, wie sichere Geburten aussehen sollen. Mit dem Wissen, was wir haben und welches so in dem Film unmissverständlich dargestellt wird, kann es keinen anderen Weg geben, als die 1:1 Betreuung wohnortnah im Sinne aller (Eltern und der Gesellschaft) umgehend in die Realität umzusetzen.

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Zum Abschluss dieses WiBs bzw. WiWs ein Bild von unserem Sonntagsfrühstück. Der Tag macht seinem Namen alle Ehre. Er beginnt draußen bei Sonnenschein, ebenso endet er dort mit dem Abendessen. Zwischendurch wird im Haus aufgeräumt.

Nächstes Wochenende gibt es wieder mehr Bilder, versprochen.

Noch mehr vom „Wochenende in Bildern“ gibt es auf Geborgen Wachsen von Susanne Mierau, der Initiatorin dieser Reihe.

 

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