Hurra, keine KiTa Gebühren mehr?

Niedersachsens neu gewählte Regierung hält nun also, was sie während des Wahlkampfs versprochen hat. Ab 2018 sollen die Kita Gebühren abgeschafft werden. Diese Nachricht sorgt bei vielen für Freude.

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Bei mir nicht. Klar kann ich verstehen, dass Eltern froh sind, um jede finanzielle Entlastung. Kinder sind nicht gerade günstig. Sie wachsen immerzu aus ihrer Kleidung raus. In den ersten Lebensjahren verbrauchen sie reichlich Windeln – mit Stoffwindeln kann man hier übrigens gut sparen. Von Schuhen fange ich gar nicht erst an zu schreiben.

Ich weiß, dass es für viele Familien schwierig ist, die KiTa Gebühren zu stemmen. Manchmal bleibt vom einen Gehalt nur wenig übrig, wenn beide arbeiten gehen. Aber ist die gebührenfreie KiTa die Lösung?

KiTa Streik

Vor zweieinhalb Jahren habe ich gestreikt. Ich bin auf die Straße gegangen für eine bessere Bezahlung pädagogischer Fachkräfte. Außerdem habe ich mich in einem offenen Post an Eltern und Medien gewandt. Darin schrieb ich unter anderem:

Wie es wohl die Eltern fänden, wenn ihre Kinder zukünftig nicht mehr von engagierten, qualifizierten pädagogischen Fachkräften betreut würden, sondern von andernfalls arbeitslosen, an der Arbeit mit Kindern UND Eltern desinteressierten Personen verwahrt werden?

Auch wenn ich nun nicht mehr als Erzieherin tätig bin, bleibt mein Standpunkt, dass Erzieherinnen eine gesellschaftlich enorm wichtige Aufgabe erfüllen. Eine faire Bezahlung gehört zur Qualitätssicherung in deutschen KiTas dazu. Außerdem fordere ich ebenfalls aus meiner beruflichen Erfahrung heraus dringend einen besseren Betreuungsschlüssel. Viele Studien legen nahe, dass dies notwendig ist. Nach wie vor ist zudem die Betreuung vor Ort nicht bedarfsdeckend. Qualität und Quantität müssen zunehmen.

KiTa kann für Familien eine Entlastung sein. Bindungsorientierte Wege – auch bei der Eingewöhnung – sind möglich. Das alles funktioniert jedoch nur mit qualifiziertem und ausreichend Personal. Und wie soll das alles bezahlt werden?

KiTa Gebühren staffeln

Ich bin gegen eine generelle Abschaffung der KiTa Gebühren. Ich bin für gerechtere Staffelungen. Wer viel verdient darf auch seinen Teil dazu beitragen, dass die vielerseits geforderte frühkindliche Bildung ebenso anderen Kindern zugute kommt. Wer ohnehin jeden Cent dreimal umdrehen muss und aufgrund seiner zwei Jobs dringen auf die Betreuung seines Kindes angewiesen ist, sollte dies kostenlos in Anspruch nehmen können. Wer arbeiten geht, sollte abzüglich der KiTa Gebühren noch etwas von seinem Lohn übrig behalten. Aber meiner Meinung nach darf die Betreuung unserer Kinder auch Geld kosten. Schließlich geht es hier um das Wertvollste was wir haben.

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Eine Notiz am Rande: wenn die Abschaffung der KiTa Gebühren langfristig dazu führen soll, den Weg zur KiTa Pflicht zu ebnen, wie teils gemunkelt wird, hoffe ich, dass wir uns auf der Straße wieder sehen. Nicht, weil ich persönlich gegen KiTas bin, sondern weil die Entscheidung sein Kind selbst zu betreuen in meinen Augen eine höchst persönliche ist, in die der Staat sich nicht einmischen darf. Vor allem nicht, so lange nicht in ausnahmslos jeder KiTa des Landes konstant und ausreichend Bezugspersonen für die Kinder da sind. Wer unter den mitunter desaströsen Zuständen sein Kind lieber bei sich behalten mag, den kann ich gut verstehen.

3 Kommentare

  1. Ich teile deine Bedenken und sehe noch einen weiteren kritischen Punkt. Ich befürchte, dass wenn nicht mehr für die KiTas bezahlt werden muss, die Anerkennung gegenüber den Erziehern und Erzieherinnen noch weiter sinkt. Denn leider herrscht in unserer Gesellschaft ja doch noch das Denken: Was nichts kostet ist auch nichts wert.

  2. Hi, ich kriege grad die Kurve nicht, wieso Du meinst, dass durch das Entfallen der KiTa Gebühren die Qualität sinkt? Im Umkreis gibt es einige (reichere) Städte ohne KiTaGebühren und ich habe nicht im geringsten den Eindruck, dass das der Qualität schadet. Qualifikation ist immer nötig, wobei ich zum Beispiel bei uns von der Kompetenz gesehen nicht sagen kann, wer gelernte Erzieherin ist und wer Kinderpflegerin. Erzieherin ist auch ein Herzensberuf, eine Berufung. Natürlich sollten Erzieher vernünftig bezahlt werden, allerdings werden sie das aus meiner Sicht. Gleichzeitig wären aber Qualitätskontrollen teilweise nötig, Kindergärten unterscheiden sich da extrem, bei uns sind alle Erzieherinnen regelmäßig auf Fortbildungen und das merkt man. Gegen eine pauschale KiGaPflicht bin ich auch, wobei ich bezweifle, dass die kommt. Allerdings gibt es Kitas, die so schlecht sind, dass ich da mein Kind auch Zuhause behalten wollen würde, denn eigentlich finde ich KiGa sehr wichtig für Kinder.

  3. Qualität kann nur durch gerechte Löhne sichergestellt werden. Wenn da viel Geld wegfällt stellt sich die Frage woher das Geld dann kommt. Das kann zur Folge haben dass die Löhne sich über die nächsten Jahre nicht weiterentwickeln, was in der Vergangenheit immer wieder vorgekommen ist. Dann wurde gestreikt und die Erzieher medial zum Bumann erklärt.
    Erzieher genießen in Deutschland ein sehr geringes Ansehen, anders als Lehrer. Dass die KiTas aber die erste Bildungseinrichtung ist wie oft vergessen. Viele Grundsteine des Lernens werden aber dort gelegt und Bildungsangebote geschaffen die sehr oft weitaus ganzheitlicher gestaltet sind als der Unterricht in der Schule.
    Dennoch wird hier unterschieden. Das Bild des Kindergartens ist bei weitem schlechter angesehen, als das einer Schule, denn dort „lernt man ja erst die wirklich wichtigen Dinge“.
    Dass dies mit der Bezeichnung „Herzensberuf“ und Berufung benannt wird trifft schon zu, denn warum sollte man sonst den Beruf wählen. In der Ausbildung verdient man kein Geld, man nimmt sogar in der Regel ein Darlehen auf, wenn man keine Unterstützung aus der Familie erfährt. Schlechte Bedingungen, ein unzureichender Personalschlüssel, wenig Krankheitsvertretungen und dazu ein vergleichbar geringes Einkommen sind dort vorhanden. Dazu kommt, dass viele ErzieherInnen noch viel in ihrer Freizeit vorbereiten (müssen), was ihnen keiner bezahlt. Wieso also diesen Beruf wählen. Viele abgeschlossene Erzieherausbildungen führen also weiter zur Hochschule, damit man nicht im Kindergarten landet. Und wenn man das Pädagogikstudium abschließt und doch im Kindergarten arbeiten möchte wird man nicht als Akademiker bezahlt, sondern nach Stellenbeschreibung. Hier muss sich viel ändern. Hierarchien gelöst werden und ein gerechtes qualitativ hochwertiges Konzept geschaffen werden. Ich bin Erzieher und kenne die Qualitativen Unterschiede zur Genüge. Wir haben ein Qualitätsmanagement was viele Bereiche mit der Zeit sichert. Aber nicht alle Einrichtungen haben etwas vergleichbares.
    Auch hier fehlt schlichtweg Geld. Um Materialien anzuschaffen sind Fördervereine durch Elterninitiativen meist notwendig und um einen guten Personalschlüssel zu finanzieren, fehlen auch die Mittel. Da sich Pädagogik stetig ändert zeigt die Geschichte. Um auf dem laufenden Stand zu bleiben sind qualitative Fortbildungen von Nöten die dem Träger auch Geld kosten und nicht alle übernommen werden. Es fehlen halt oftmals die finanziellen Mittel.
    Durch den Wegfall der Beiträge nun noch mehr. Viele Eltern bejubeln dies. Der Schritt löst aber viele unbeantwortete Fragen aus.

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