Gastbeitrag zur Stoffwindelwoche: Drei Kinder – eine Windel

„Stoffwindeln?“ „Jaaaa, Stoffwindeln.“ „Echt jetzt?“ „Echt jetzt.“ „Kind, warum tust Du Dir das an?“

Jo. Meine Mutter war nicht begeistert, als sie zum ersten Mal von unseren (zugegeben nicht ganz unpassionierten) Plänen fürs erste Kind und dessen Hinterteil hörte. Überhaupt: Keine*r wollte uns so recht glauben, dass das erstens ganz easy gehen müsste und wir zweitens auch wirklich dabei bleiben. Also bei den Windeln. Schließlich war es das erste Kind und Erstkindeltern glaubt keine Sau. Tjanun. Jetzt bin ich Dreikindelter. Und Ihr könnt mir glauben:

Stoffwindeln rocken.

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Ich weiß schon gar nicht mehr ganz genau, wie wir zwei während meiner ersten Schwangerschaft darauf kamen. Ziemlich wahrscheinlich kam aber ausgerechnet mein Wikingergatte auf die Idee. Denn da er zum Rumschwangern an sich nicht so sehr viel beitragen konnte außer Bauch streicheln und geschwollene Füße massieren, wurde er zu einer Art wandelndem Babypedia. Justus Jonas für Kleinkinder. Ihr wisst schon: Er hat wie ein Angebrannter recherchiert und gesucht, um uns den bestmöglichen Start ins Elterndasein zu verschaffen. Insgesamt hat sich das gelohnt, denn es kamen (neben andern guten Ideen) Stoffwindeln dabei raus. Und zwar letztlich auch, weil für uns nichts so wirklich dagegen spricht. Dafür spricht aber so Vieles:

  • Es reduziert Plastikmüll. Und wir sind eher Eko als Öko, aber wenn die Welt untergeht, gehen wir mit. Also: Ist durchaus ein Argument.
  • Es ist auf viele Arten günstiger (siehe „eko“): Die Mülltonne muss nicht um eine Nummer wachsen, ich muss nicht wöchentlich zwanzig Euro für Windeln investieren und ich kann die guten Stücke für mehr als ein Kind nutzen.
  • Wir bestimmen, was an die Haut dieses frischen, zarten und noch quasi völlig unbelasteten Babies kommt. In diesem Fall: Stoff und Waschnüsse. Und sonst erstmal rein gar nix.
  • Das einzige „echte“ Argument, dass ich gegen Stoffwindeln fand, war der Arbeitsaufwand. Drei Kinder später kann ich sagen: Jo, macht Arbeit. Nö, nicht übermäßig viel. Ich habe aktuell zwei Wickelkinder, die beide ausschließlich mit Stoff gewickelt werden. Ich wasche jeden zweiten Tag eine Maschine Stoffwindeln und kloppe die Dinger im Anschluss in den Trockner. Je nach Alter der Kinder wasche ich mit Waschnüssen (Neugeborene und ganz kleine Babies) oder pupsnormalem Waschmittel ohne Duftstoffe (wenn die Haushaltskasse mitspielt). Und ansonsten mache ich in Sachen Windeln einfach: Nix.

Es war für uns also wirklich gar nicht schwer. Obwohl es (wenn man einen Blick in eines der tausend Stoffwindelforen wirft) zunächst einmal so aussah, als hätte ich mal besser „Stoffwindel“ studiert als Germanistik. Aber weder hat die Nutzung von normalem Waschmittel die Windeln explodieren lassen, noch sind die Einlagen beleidigt von dannen gezogen, obwohl wir sie unbedacht kombiniert haben. Für uns lief das unter „einfach machen“ und so hat es auch „einfach geklappt“. Trial and Error. Und nicht stressen lassen. Denn die besten Windeln taugen nichts, wenn sie Euren Alltag nicht bereichern, sondern komplizierter machen. Ich muss dermaßen oft wickeln, dass ich das nicht durchhalten würde, wenn es mich jedes Mal ärgerte.

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Kurzes Experiment, das leider nicht funktioniert hat: Wunderschöne Windeln der Windelmanufaktur

Ehrlich.

Wir wollen aber ehrlich bleiben, wenn wir schon dabei sind: Manchmal läuft das auch nicht so rund, wie ich es gerne hätte. Wenn der Butterkeks (2) pro Tag quasi eine ganze Gurke vertilgt, sind die Stoffwindeln chancenlos. Die gute Nachricht ist: Pampers auch. Also liegt es nicht an der Art der Windeln. Aber die Gurkenration habe ich dennoch reduziert. Zu unser aller Seelenheil.

Die besten Stoffwindeln 300x87 - Gastbeitrag zur Stoffwindelwoche: Drei Kinder - eine Windel ( Windelmanufaktur, Stoffwindeln, Gastbeitrag, Erfahrungsbericht )

Und unsere Speckbohne ist auch so eine Nummer. Die kann dermaßen viel pieseln, dass ich die Wahl habe: Nachts zwei Mal aufstehen und wickeln oder ein Handtuch unterlegen und  ab und an mit einem nassen Body leben. Ihr merkt: Aktuell ist Letzteres mein Favorit. Normaler Weise dauern solche „Auslaufphasen“ nicht allzu lange an. Da reicht es, wenn die Menge der Einlagen zB angepasst wird. Oder, in unserem Fall oft: Wenn die nächst größere Überwindel fällig wird. So funktioniert nämlich unser System: Stoffwindel plus PUL Überhose. Also:

Nur eine Phase. Oder? ODER???

Ich habe sicherheitshalber auch schon andere Windeln getestet- der Markt steht ja auch im Bereich Stoffwindeln (zum Glück) nicht still. Allerdings war für uns noch nichts Besseres als unser „Volvo unter den Stoffwindeln“ dabei. Zumal unser „oldschool“ System so zuverlässig funktioniert. Drei Kinder lang schon- ist das nicht der Hammer? Logisch, inzwischen sind einige Windeln ausgetauscht worden und viele dazu gekommen. Da ich aber sowohl unser „Starterpaket“ als auch alle folgenden Windeln gebraucht erstehen konnte, war das nicht die riesigste Investition. Überwindeln gab es jetzt schon einige neu, weil die einfach in den gebrauchten Paketen nicht mehr so gut erhalten waren. Und: Inzwischen sind die Überwindeln deutlich hübscher und farbenfroher geworden! Allerdings nutze ich die neu gekauften Überwindeln jetzt auch schon das zweite oder dritte Kind lang. Alles in Allem war das also echt eine gute und vor allem günstige Entscheidung, finde ich.

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Der „Volvo unter den Stoffwindeln“

Investition für`s.. äh… Kinderleben.

Und was ist mit den Kindern? Haben die je Krabbeln und Laufen gelernt? Trägt das Fünfjährige immer noch Windeln? Habe ich eine Industriewaschmaschine und horrende Nebenkosten? Ach Kinders. Das größte Kind war mit zweieinhalb trocken, das Mittlere ist jetzt zweieinhalb und wird es diesen Sommer voraussichtlich auch. Das Prinzip „Töpfchen“ hat es sich vor einem halben Jahr schonmal angekuckt, bravourös gemeistert und dann beschlossen, dass das doch noch ein bisschen zu nervig sei. Nun gut. Die Speckbohne hat mit ihren fünf Monaten noch ein bisschen Zeit, oder? Auch, um Laufen zu lernen. Nicht viel, denn mit zehn bzw elf Monaten liefen die beiden Geschwisterkinder- aber ich bin zuversichtlich, dass die Windel das nicht behindert. Denn in Sachen Krabbeln ist die Bohne immerhin bereits im Vierfüßerstand angekommen. Noch allerdings denkt sie, dass sie von dort aus quasi einen Bauchplatscher in die Richtung Ihres Begehrs machen muss. Ein bisschen kognitive Leistung fehlt also noch, würde ich sagen.

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Guter Halt auch mit Stoffies. Sehr windschnittig!

Step by Step

Und: Nein, keine Industriewaschmaschine. Seit sechs Jahren denselben, gebraucht gekauften Esel. Und unsere Nebenkosten sind für eine fünfköpfige Familie ganz platt im Durchschnitt. Also: Alles halb so wild, oder?! Sogar meine Mutter hat sich inzwischen damit abgefunden und wickelt selbst meisterlich die Stoffpopos meiner Kinder. Kurz: Stoffwindeln und ich, wir sind ganz dicke Freunde geworden. Läuft bei uns! Und bei Euch?

Küsst die Kinder, auf den Stoffwindelpo genauso wie auf jeden anderen auch!

Eure Julia

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Kinderknäuel mit dickem Stoffwindelpo

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