Der beste Freund einer Mutter

Mo…mo..morgääääähn! Ich bin Mutter. Das wisst ihr sicher schon. Ich bin müde. Das schlussfolgert ihr richtig. Und wer ist der beste Freund einer Mutter? Nein, in meinem Fall ist das nicht Kaffee, den mag ich nämlich gar nicht. Wie unpraktisch! Mein bester Freund ist der DHL Mann*.

Wie ich zu der Behauptung komme? Nun, schauen wir uns mal die Fakten an:

Mein DHL Mann* und ich, wir sehen uns mindestens einmal in der Woche. Das ist schonmal häufiger als ich jede meiner echten Freundinnen sehe, von denen zwei im Süden des Landes leben und zwei weitere in Oldenburg. Mit der einen haben wir immerhin ein festes monatliches Treffen installiert, bei dem sie direkt mehrere Stunden bei uns ist und wir so ganz viel aufholen. Die andere hat selbst drei Kinder und arbeitet mittlerweile wieder. Es ist ein Wunder, dass wir es überhaupt schaffen, Kontakt zu halten. Ich hoffe, wir sehen uns nicht wie letztes Jahr im Winter mehrere Monate wegen abwechselndem Kranksein (der Kinder) nicht.

Mein DHL Mann* drängt mir nichts auf. Er gibt mir immer genau das, was ich brauche. Ist er nicht ein Traumtyp? Fast immer, wenn er dasteht, weiß ich, was mich erwartet. Das gerade noch rechtzeitig eingetroffene Geburtstagsgeschenk für eines der Kinder, eine neue Tragehilfe, Brot aus Schweden, … Mein DHL Mann* hat das Richtige dabei. Und manchmal, ja manchmal hat er etwas zu viel dabei. Ein Paket für die Nachbarn nämlich. Aber er fragt mich nett, ob er es hier abgeben darf. Nagut. Denn meine Nachbarn, das sind ähnlich wunderbare Leute. Da haben wir echt Glück.

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Mein DHL Mann* erwartet nichts von mir. Außer meiner Unterschrift. Na gut, okay. Die braucht er. Kein Ding. Aber ansonsten ist er recht anspruchslos. Er stellt keine überhöhten Forderungen an mich. Er macht mir keine Schuldgefühle, wenn ich mal nicht freudestrahlend das Paket annehme und ist dankbar, wenn ich ihm einen schönen Tag wünsche. Mal ehrlich, Schuldgefühle braucht echt kein Mensch und erst recht keine Mutter. Leider gibt es da genug Menschen in meinem Leben, die diese verursachen. Danke. Nicht.

Mein DHL Mann* kommt und geht. Ich mag das. Zack, hier. Paket, Unterschrift. Danke. Tschüss. Keine doofen Kommentare über mein Aussehen, die zersausten Haare, das fleckige Oberteil oder das Chaos im Flur. Das Ausmaß um die Ecke sieht er nicht. Er kommt aber auch nicht ungefragt herein. Welch ein Glück! Kein unangemeldeter Besuch, vor dem man versucht, die Obstfliegenkolonie als wissenschaftliches Projekt zu verkaufen oder die Wäscheberge als Ausnahmezustand, der doch in Wahrheit eher die Regel ist, erklärt.

Ach, DHL Mann*, was wäre ich ohne dich?

P.S. Ja, ich weiß. Online bestellen ist nicht gut für den Planeten. Die ganze Logistik macht zu viel CO2. Außerdem ist Amazon der Teufel und überhaupt. Gute Mütter spazieren munter auf den Markt und klauben sich alles mit stundenlangen Shoppingtouren zu Fuß zusammen. Aber wenn wir schon bei der Frage sind, wie Mütter das heutzutage alles schaffen, lautet meine Antowort eben „gar nicht“. Ich schaffe nicht alles. Neben Kindern, Arbeit (ja, ich arbeite, das haben so langsam auch die meisten begriffen) und der Obstfliegenzucht bleibt eben einiges liegen. Den Luxus des abendlichen Online Shoppings und des DHL Mannes, den gönne ich mir von Herzen und ohne Reue.

P.S. Ach, ihr Besten, was wäre ich ohne euch??!! Danke meine zwei Oldenburgerinnen, beste Exil-Münchnerin und Talheimerin, dass ihr immer für mich da seid – wenn auch nicht zwingend vor Ort, aber im Herzen.

*Der DHL Mann ist der nette Mann, der mir die Pakete bringt und in Wahrheit waren es über die Jahre verschiedene Männer. Ja, ich bin in dieser Beziehung ganz bindungsflexibel. Bisher hatte ich nur tolle Männer. Also, DHL Männer. Danke!

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