Mi Hermanito

Mal etwas persönlicher.

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Siehst du das Fenster in der unteren Ecke des Bildes? Heute bin ich mit meinem Mann und meinen Kindern zu diesem Fenster gefahren. Das ist etwa 35km von hier entfernt.

Soziale Medien zeigen immer nur einen Teil dessen, was einen ausmacht. Du siehst auf Facebook und Instagram also Bilder, auf denen meine Kinder kreative Spielmöglichkeiten von mir angeboten bekommen. Oder ich zeige dir, was wir leckeres kochen oder backen. Außerdem stelle ich dir meine Arbeit vor, du siehst mich, wie ich bunt geschminkt bin oder lustige Videos drehe.

Das ist unsere Realität, das sind wir! Aber vor allem ist es mein Versuch, die momentane Zeit mit den Kindern bestmöglich zu überstehen.

Ich möchte, dass die Kinder eines Tages auf diese Tage, Wochen und womöglich Monate zurückblicken und sich an möglichst viele schöne Momente erinnern. Ob ich das schaffe, weiß ich nicht, denn es gibt hier neben all dem, was ich online zeige, auch Tage wie gestern. Da habe ich bis mittags im Bett gelegen. Den ganzen Nachmittag habe ich auf dem Sofa verbracht. Die meiste Zeit weinend. Nachts liege ich viel wach. Ich esse ungesundes, nicht veganes Zeug (ärgere mich dafür über mich selbst), grüble, lenke mich mit trivialem Fernsehprogramm ab und weine zwischendurch.

Auch das ist Realität, meine Realität, die ich nicht allen nonstop präsentiere. Warum ich es jetzt tue? Weil ich weiß, dass es für einige Stress bedeutet, die vielen fröhlich munteren Familien im Internet zu sehen. Die Eltern, die scheinbar so viel mehr schaffen, als man selbst. Zu sehen, dass andere augenscheinlich ganz simpel durch die Krise kommen. Vielleicht gibt es diese Familien. Unsere gehört nicht dazu.

Wir haben Ängste und Sorgen. Das „alleine“ zuhause sein ist für uns kein Problem. Ich bin dankbar für (Doppel)Haus(hälfte) und Garten, drei Kinder, die meistens gerne miteinander spielen und so nicht einsam sind. Das fühlt sich relativ normal an, fast wie Ferien, die hier seit gestern auch offiziell sind. Ich schotte mich daher bewusst von draußen ab, um z.B. nicht sehen zu müssen, dass im Supermarkt Linien den Mindestabstand markieren. Diese Welt macht mir Angst.

Eine meiner größten Sorgen der letzten Tage war mein (Halb)Bruder. Wer mir schon länger folgt oder mich kennt, weiß, wie viel er mir bedeutet. Als ich 16 war, wurde er geboren und es ist wohl nicht übertrieben, dass ich zuvor keinen Menschen so sehr geliebt habe, wie ihn. Letzten Sommer hatte ich ihn zuletzt gesehen. Ich war darauf eingestellt, dass ich ihn voller Freude diesen Sommer wieder in den Arm nehmen kann. Er war für einen Schüleraustausch in der Nähe von Madrid.

Wer die Nachrichten verfolgt (und ich kann diejenigen, welche das aus Selbstschutz nicht tun, verstehen), weiß um die dramatische Lage in Spanien. Und entsprechend schwer auszuhalten war es in letzter Zeit, meinen Bruder dort zu wissen. Nach einigem hin und her ist er nun gestern nach Mitternacht zuhause angekommen. Er befindet sich nun bei meiner Mama und ihrem Mann in Quarantäne. Er ist gesund. Ich bin so erleichtert, dass er zurück ist.

Wir haben also Knoblauchbrötchen gebacken, sind losgefahren und haben sie ihm vor die Haustür gelegt. Er liebt Knoblauch. Außerdem konnten wir ihn durch das Fenster sehen und sogar etwas mit ihm sprechen. Auch mit Mama, eine Etage tiefer.

Das war so schön und traurig zugleich. Es war ein Stück Spüren dieser gruseligen Realität, in der ich mit geliebten Menschen nur auf Distanz reden darf. Und dennoch wollte ich es mir auf keinen Fall nehmen lassen, ihn zu sehen, um wirklich wahrzuhaben, dass er leibhaftig da ist.

Ich weiß nicht, was diese Zeit noch mit mir und uns als Familie macht. Es fällt mir nicht leicht! Ich hoffe, wenn du das liest, hilft es dir, zu wissen, das nicht alles Gold ist, was glänzt. Ich werde vermutlich weiterhin mehr Fröhliches teilen. Weil ich versuche, das in den Fokus meiner Erinnerungen zu rücken und es mir gut tut!

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