Regelbetrieb – Danke für nichts

Lange verdrängt steht es uns nun knapp bevor: in drei Tagen müssen zwei meiner Kinder wieder in den Regelbetrieb in der Schule. Mitten in Zeiten einer weltweiten Pandemie mit seit einigen Tagen wieder stark ansteigenden Infektionszahlen.

Ja, sie müssen, denn wir haben ja hierzulande eine Schulpflicht. Das Recht auf Bildung kann hier offenbar nur ortsgebunden umgesetzt werden.

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Sogenannter Regelbetrieb

Ab Donnerstag herrscht also wieder Regelbetrieb. Sofern man das, was da von statten gehen wird, Regelbetrieb nennen kann. Denn Sport und Musizieren fallen z.B. weg. Die Lichtblicke und Bewegungsauszeiten, die gerade die kleinsten Kinder brauchen. Auf den Fluren müssen Masken getragen wird und auch sonst gibt es weitere Einschränkungen. An der Schule meines Sohnes finden die Erholungs(!)pausen an bestimmten den Klassen zugewiesenen Bereichen statt. Und dies auch noch im Wechsel mit der Parallelschule. Sodass während des Unterrichts draußen andere Pause haben.

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Die Masken und Aufbewahrungstaschen für meine Kinder habe ich bei Allerlei Windeln bestellt. So unterstütze ich mit diesem notwendigen Kauf wenigstens ein kleines Familienuntenehmen.

Seit Mitte März waren meine Kinder zuhause. Zugegeben, beim Großen hat es einige Zeit gedauert, bis er sich mit seinen Aufgaben gut organisiert hatte. Nicht zuletzt lag das auch daran, dass sowohl Strukturen als auch Lehrkräfte zu Beginn ebenfalls überfordert waren. Doch es pendelte sich ein und dank der Lehrer’innen, die sich auch Zeit für Videokonferenzen für Fragestellungen nahmen, konnte mein Sohn nahezu problemlos dem Unterricht (von zuhause aus) folgen. Mein Sohn möchte einerseits zur Schule, aber eben auch nicht so. Er ist zwölf Jahre alt. Er geht mit (Vor-)Pubertierenden zur Schule, die ihn schon wegen seines Vegetarismus ärgern, indem sie ihm Wurst ins Gesicht halten. Mir schwant Böses.

Unterschiedliche Erfahrungen mit Home Schooling

Mein jüngeres Kind freut sich sehr auf die Schule, auf ihre Freund’innen! Sie hat sie sehr vermisst (denn ja, wir haben hier tatsächlich monatelang Abstand gehalten). Aber vor Corona hat sie auch Angst. Und dass ich sie nicht zur Schule begleiten und dort abholen kann. Mein Kind ist im Home Schooling aufgeblüht. Wir bekamen wöchentlich die Aufgaben, welche auch in der Schule erledigt wurden. Sie waren oft innerhalb von drei Tagen erledigt. Und vor allem dann, wenn es gerade passte. Ich konnte mehrfach beobachten, dass mein Kind plötzlich dicht gemacht hat. Es ging nichts mehr. Das Kind, das sonst ohne Schwierigkeiten und gerne rechnet, konnte nichtmal eine 8 von einer 4 unterscheiden. Totalblockade. Dann sind wir raus und die Aufgaben wurden später oder am nächsten Tag ratzfatz erledigt.

Diesem Kind tut das Schulsystem ohnehin nicht gut. Jetzt soll es dort wieder hinein unter dem Risiko, sich und damit gegebenenfalls Mitglieder ihrer Familie mit einer Krankheit anzustecken, die immer mehr Nebenwirkungen bzw. Langzeitfolgen zu haben scheint.

Die Frage nach dem Warum

Warum? Warum muss das sein? Wieso ist nicht auch hier in Niedersachsen das Aussetzen der Präsenzpflicht möglich? Wieso wurden digitale Konzepte nicht weiter ausgebaut? Warum müssen meine Kinder schutzlos in den sogenannten Regelbetrieb? Wieso gibt es keine individuelleren Wege, gerade jetzt, aber auch sonst?

Kennt ihr schon diese Karte? Sie listet coronabedingte Schul- und KiTa-Schließungen seit den Sommerferien. Zumindest die durch die Presse bekannten. Gar nicht mal so wenige, oder?

Ich habe wirklich keine Lust darauf, meine Kinder als wandelnde Experimentiertierchen brav in den Regelbetrieb einer Bildungsstätte dackeln zu lassen. Seit ich Kinder habe, hatte ich noch nie ein so starkes Gefühl von Kontrollverlust. Ich kann aktuell nicht über meine bzw. für meine Kinder entscheiden. Es macht mich wütend, traurig und machtlos. Und ich hoffe einfach nur zutiefst, dass sie gesund bleiben. Dass sie auch abgesehen von Corona nicht langfristig davon Schaden nehmen.

Wer fragt eigentlich die Kinder?

Viele freuen sich darauf, dass die Schule im Regelbetrieb endlich wieder beginnt – Eltern und Kinder. Ich verstehe das. Nur ich fühle es anders und wünschte, ich hätte andere Optionen. Damit wäre auch durch die Verkleinerung der Kohorten denen, deren Kinder zur Schule sollen (oder insofern müssen, als dass diese Eltern einen Präsenzjob nachgehen und daher auf Betreuung angewiesen sind) geholfen.

Geld müssen wir schließlich alle irgendwie verdienen. ;-)

Wie so oft werden wir Eltern einfach nicht gehört. Geschweige denn die Kinder! Wenn die mal Eine’r fragen würde, was sie brauchen und wollen… Meine Kinder wollen Schule, weil sie den Kontakt brauchen. Sie möchten, dass es ist wie früher. Ein Wunsch, den wohl die meisten nachvollziehen können. Aber das ist es leider nicht. So zu tun als ob, halte ich für gefährlich! Meine Kinder wissen, dass es das nicht ist. Daher braucht es Alternativen. Aber wen interessiert das schon? Hauptsache die Kinder sind verwahrt und die Erwachsenen können wieder der Wirtschaft dienen. Entschuldigt. Ich bin echt sauer!

Davon, dass die Eltern natürlich nach wochen- ach, monatelangem jonglieren wieder richtig in der Luft schweben werden, wenn Einrichtungen (siehe oben) wieder schließen oder die Kinder krank nach Hause geschickt werden, ganz zu schweigen. Da können die Eltern dann wieder gucken, wie sie das geregelt kriegen. Verlässlichkeit und Vereinbarkeit my ass!

Womit wir auch alleine gelassen werden? Den Kosten, die der Schulbesuch verursacht. Also abgesehen von den Hunderten Euro für die Standard Dinge. Heul! Wir haben für unsere Kinder Masken (diese sind sehr günstig, wir testen, ob sie gut sind und bestellen dann ggf. mehr) und kleine Täschchen gekauft. Sie werden immer eine für saubere und schmutzige Masken mitnehemen. Für jeden Tag braucht jedes Kind sicher drei bis vier Masken. Und nein, Wegwerfmasken sind keine Option für uns, zumal das – je nachdem, wie lange diese Bedingungen andauern – nichtmal günstiger ist. Vielleicht war der Familienbonus ja auch dafür gedacht…

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Wie geht es euch mit dem bevorstehen Schulstart? Oder der KiTa? Mein Mann arbeitet ja seit den Ferien auch wieder dort. Und es ist… schwierig. Es ist eben nichts wie vorher. Es ist anders, es ist anstrengend und belastend. Es fehlt die Unbeschwertheit. Vielleicht seid ihr ja auch dankbar für die Entlastung durch Schule und KiTa? Und die Kinder sind froh, ihre Klassenkamerad’innen zu sehen! Was haltet ihr dennoch von der Idee, denjenigen, die es möchten, von der Präsenzpflicht zu erlassen. Es gibt so viele unterschiedliche Bedürfnisse wie es Familien gibt. Aber als Lösung hält die Politik nur eins parat. Für mich ist das eine gigantische Enttäuschung, milde gesagt.

Nun, noch drei Mal schlafen, dann geht der bittere Ernst hier wieder los (zwei Stunden vor unserer momentanen Wachzeit. Das wird ein Spaß!)

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